

In einer Zeit, in der wir permanent vernetzt sind und uns gleichzeitig oft erstaunlich allein fühlen, gewinnt ein Thema immer mehr an Bedeutung: Verbundenheit. Wir sehnen uns danach, gesehen zu werden, uns aufgehoben zu fühlen und echte Begegnungen zu erleben mit anderen Menschen, aber auch mit uns selbst. Genau hier beginnt Yoga.
Das Wort Yoga stammt aus dem Sanskrit und bedeutet übersetzt anjochen bzw. verbinden oder vereinigen. Oft denken wir dabei zunächst an die Verbindung von Körper und Geist. Doch die Yogaphilosophie geht noch einen Schritt weiter. Sie erinnert uns daran, dass wir niemals isolierte Wesen sind. Wir stehen in Beziehung zu uns selbst, zu anderen Menschen, zur Natur und letztlich zum Leben selbst.
Im Alltag richten wir unsere Aufmerksamkeit häufig nach außen. Wir fragen uns, warum Beziehungen schwierig sind, weshalb Kommunikation misslingt oder warum wir uns unverstanden fühlen. Die Yogaphilosophie lädt zu einer anderen Perspektive ein. Sie beginnt nicht beim Gegenüber, sondern bei der eigenen Haltung.
Wie gehe ich mit mir selbst um?
Kann ich mir mit Freundlichkeit begegnen?
Bin ich ehrlich zu mir selbst?
Kann ich loslassen, statt festzuhalten?
Diese Fragen sind keine abstrakten philosophischen Überlegungen. Sie spiegeln sich jeden Tag in unseren Begegnungen wider. Die ersten beiden Yamas Ahimsa (Gewaltlosigkeit) und Satya (Wahrhaftigkeit) bilden dafür eine wunderbare Grundlage. Ahimsa bedeutet nicht nur, anderen nicht zu schaden. Es bedeutet ebenso, freundlich mit den eigenen Gedanken umzugehen und den inneren Kritiker immer wieder zu hinterfragen. Satya lädt dazu ein, authentisch zu sein und ehrlich zu kommunizieren, ohne Härte, aber mit Klarheit. Wer sich selbst mit Mitgefühl begegnet, schafft oft auch mehr Raum für Verständnis im Miteinander.
Viele Menschen erleben während einer Yogastunde Momente großer Ruhe. Der Atem wird weicher, die Gedanken fokussierter und der Körper fühlt sich leichter an.
Die eigentliche Frage lautet jedoch: Was passiert danach?
Kann ich diese innere Ruhe mit in meinen Alltag nehmen?
Kann ich in einem schwierigen Gespräch einen bewussten Atemzug machen, bevor ich reagiere?
Kann ich zuhören, ohne sofort zu bewerten?
Kann ich meinem Gegenüber wirklich begegnen?
Für mich liegt genau darin die Kraft des Yoga. Die Matte ist ein Übungsraum. Dort entwickeln wir Fähigkeiten, die weit über die Yogastunde hinausreichen: Präsenz, Selbstregulation, Mitgefühl und die Fähigkeit, auch in herausfordernden Situationen mit sich selbst verbunden zu bleiben. Erst wenn wir diese Verbindung in uns finden, können wir sie auch im Kontakt mit anderen Menschen leben.
Die moderne Psychologie bestätigt heute vieles, was die Yogaphilosophie seit Jahrtausenden beschreibt. Menschen sind soziale Wesen. Unser Nervensystem entwickelt sich in Beziehung. Sicherheit, Vertrauen und emotionale Stabilität entstehen nicht allein durch Denken, sondern durch gelingende zwischenmenschliche Erfahrungen. Verbundenheit ist deshalb kein Luxus. Sie ist ein menschliches Grundbedürfnis. Yoga kann uns dabei unterstützen, diese Fähigkeit bewusst zu kultivieren. Nicht indem wir alle Konflikte vermeiden oder ständig harmonisch sind. Sondern indem wir lernen, präsent zu bleiben – auch dann, wenn Unterschiede entstehen. Verbundenheit bedeutet nicht Gleichheit, aber trotz Verschiedenheit miteinander in Kontakt zu bleiben.
Vielleicht beginnt Verbundenheit mit einer kleinen Geste. Mit einem offenen Blick. Mit echtem Zuhören. Mit einem bewussten Atemzug vor einer Antwort. Mit der Entscheidung, freundlicher mit sich selbst zu sprechen. Je klarer und ruhiger wir in uns verankert sind, desto leichter entstehen Vertrauen, Offenheit und echte Verbindung.
Für mich ist genau das die tiefste Bedeutung von Yoga und zugleich die größte Herausforderung: nicht möglichst perfekt auf einer Matte zu stehen, sondern im Alltag immer wieder den Weg vom Ich zum Wir zu finden.

In einer Zeit, in der wir permanent vernetzt sind und uns gleichzeitig oft erstaunlich allein fühlen, gewinnt ein Thema immer mehr an Bedeutung: Verbundenheit. Wir sehnen uns danach, gesehen zu werden, uns aufgehoben zu fühlen und echte Begegnungen zu erleben mit anderen Menschen, aber auch mit uns selbst. Genau hier beginnt Yoga.
Das Wort Yoga stammt aus dem Sanskrit und bedeutet übersetzt anjochen bzw. verbinden oder vereinigen. Oft denken wir dabei zunächst an die Verbindung von Körper und Geist. Doch die Yogaphilosophie geht noch einen Schritt weiter. Sie erinnert uns daran, dass wir niemals isolierte Wesen sind. Wir stehen in Beziehung zu uns selbst, zu anderen Menschen, zur Natur und letztlich zum Leben selbst.
Welche Gefühle uns hier auch begegnen – sie sind Ausdruck von Bedürfnissen, die endlich genährt werden oder deren Mangel wir nun deutlich spüren können. Und jedes Gefühl lässt uns wieder einmal mehr uns selbst ein Stück besser verstehen, uns kennenlernen und unterstützt uns, unsere Bedürfnisse wahrnehmen zu können. Die Autorin und Psychologin Gerlinde R. Fritsch schreibt dazu: „Gefühle sind wertvoll. Sie verweisen auf Bedürfnisse des Körpers und der Seele. Wir übergehen sie nur gern, weil wir etwa Ärger, Trauer oder Wut zuweilen als störend empfinden, scheinen sie uns doch daran zu hindern, in unserer Leistungsgesellschaft unsere Aufgaben zu erfüllen und zu funktionieren.“ Doch das Nicht-spüren-wollen von unangenehmen Emotionen hat Folgen. „Wenn wir unsere Gefühle und Bedürfnisse fortwährend ignorieren, geraten wir aus dem Gleichgewicht, und Körper und Seele beginnen Krankheitssymptome zu entwickeln. Die Folge können psychosomatische und seelische Leiden sein, wie chronischer Schmerz, Burnout und Depression,“ so Fritsch weiter.
Im Yoga kreieren wir einen Raum, der es uns ermöglicht, Gefühle und auch die damit verbundenen Bedürfnisse besser wahrnehmen zu können. Das können körperliche Bedürfnisse sein nach Bewegung, Ruhe, Nähe oder Distanz, das kann das Bedürfnis nach Sicherheit, nach Autonomie, nach Gemeinschaft, Menschlichkeit und Gleichwertigkeit sein, aber auch Bedürfnisse nach Selbstausdruck und Authentizität, nach Inspiration und Wissen, nach Spiritualität und Sinn, nach Leichtigkeit und Vergnügen, nach Balance, Schönheit und Frieden. In jeder Yogastunde schenken wir uns Zeit, eigene Gefühle zu beobachten, indem wir neue Bewegungsabläufe ausprobieren oder den Übungen nachspüren, indem wir unseren Atem lesen lernen als Barometer für unseren Gemütszustand, indem wir in Meditationen alle Gedanken, die kommen, wie ein stiller Beobachter zulassen und anschauen. Vielleicht erklärt dies auch, warum Yoga oft als Praxis der Achtsamkeit bezeichnet wird: Es geht um das Erkennen. Es geht um das präzise Wahrnehmen von Emotionen und darüber ein Verständnis dafür zu entwickeln, was wir brauchen.
Du möchtest ein Bedürfnis genauer erkennen und verstehen? Vielleicht magst du diese Übung ausprobieren:
Du möchtest das Thema vertiefen? Dann empfehle ich dir diese Bücher:
Der Gefühls- und Bedürfnisnavigator - Gefühle & Bedürfnisse wahrnehmen
Gewaltfreie Kommunikation – Eine Sprache des Lebens
©2019, Alexandra Gomez. Alle Rechte vorbehalten.